Indizes06
Lektion 06 Teil III · Treiber Interaktiv
№ 06 — DE
Lektion 06 · Teil III · Treiber

Ein Index ist geronnene Erwartung.

Der Stand eines Index ist kein Naturereignis — er ist die Summe aller Erwartungen über künftige Gewinne und darüber, wie viel diese Gewinne heute wert sind. Zwei Kräfte bestimmen das: die Unternehmensgewinne und die Bewertung, die der Markt ihnen zubilligt. Und beide hängen an wenigen großen Hebeln — Zinsen, Inflation, Konjunktur und den Notenbanken.

Lesedauer15 Min.
NiveauKern
InteraktivMakro-Cockpit
Abb. 1 · Gewinne × Bewertung
Preis = E × KGV
00Die Mechanik

Gewinn mal Bewertung.

Jeder Aktienkurs — und damit jeder Index — lässt sich auf zwei Faktoren zurückführen: den Gewinn je Aktie und das Vielfache, das Anleger dafür zahlen (das KGV, Kurs-Gewinn-Verhältnis). Steigt einer der beiden, steigt der Kurs. Fast alle Nachrichten wirken über genau diese zwei Kanäle.

Faktor 1 · das „E"

Die Gewinne

Wächst die Wirtschaft, verdienen Unternehmen mehr — höhere Gewinne heben die Kurse. Quartalszahlen (Earnings Season), Konjunkturdaten und Auftragslage wirken hier. Eine Rezession senkt die erwarteten Gewinne und damit den Index.

Wachstum ↑ · Gewinne ↑ · Index ↑
Faktor 2 · das „KGV"

Die Bewertung

Wie viel ein künftiger Gewinn heute wert ist, hängt am Zins. Hohe Zinsen machen sichere Anleihen attraktiver und künftige Gewinne weniger wert — das KGV sinkt. Niedrige Zinsen blähen Bewertungen auf. Hier sitzen die Notenbanken am Hebel.

Zinsen ↑ · Bewertung ↓ · Index ↓
01Die Hebel

Was die Schlagzeilen wirklich bewegen.

Vier Kräfte stehen hinter den meisten großen Indexbewegungen. Sie wirken zusammen — und oft zählt nicht der absolute Wert, sondern die Überraschung gegenüber dem, was der Markt bereits erwartet hatte.

ZinsenLeitzins / Renditen
Der mächtigste EinzelhebelSteigende Leitzinsen und Anleiherenditen drücken Bewertungen und machen Aktien relativ unattraktiver. Sinkende Zinsen wirken wie Rückenwind. Notenbank-Sitzungen (Fed, EZB) sind deshalb Top-Termine.
InflationTeuerung
Treibt die ZinserwartungHohe Inflation zwingt Notenbanken zu höheren Zinsen — schlecht für Aktien. Ein überraschend hoher Inflationswert (CPI) kann einen Index binnen Minuten fallen lassen, weil er die Zinserwartung verschiebt.
GewinneEarnings
Das Fundament unter dem KursVier Mal im Jahr berichten Unternehmen. Übertreffen sie die Erwartungen, steigt der Index; enttäuschen die Schwergewichte, zieht es ihn nach unten. Auch der Ausblick zählt oft mehr als die nackten Zahlen.
KonjunkturWachstum / Arbeit
Daten als StimmungsgeberBIP, Arbeitsmarkt (US-Jobreport), Einkaufsmanagerindizes (PMI). Sie formen die Erwartung über künftige Gewinne — und paradox: zu starke Daten können fallen lassen, wenn sie höhere Zinsen befürchten lassen („good news is bad news").
02Zum Anfassen

Das Makro-Cockpit.

Drehen Sie an den vier großen Hebeln und beobachten Sie, wie der modellierte Indexstand reagiert. Das Modell ist vereinfacht — aber die Richtungen stimmen mit der Wirklichkeit überein. Achten Sie besonders auf den Zins.

Leitzins4,0 %
Höher = teureres Geld, Druck auf Bewertungen
Inflation2,5 %
Über dem 2 %-Ziel treibt sie die Zinserwartung
Gewinnwachstum+6 %
Höhere erwartete Gewinne heben den Index
Risikoneigungneutral
Risk-off ↔ Risk-on (Stimmung der Anleger)
Modellierter Indexstand · Basis 100
100
±0,0 % zur Ausgangslage

03Mitnehmen

Treiber auf einen Blick.

Drei Gedanken, bevor wir Indizes untereinander in Beziehung setzen.

01
Gewinn × Bewertung

Jede Indexbewegung lässt sich auf zwei Faktoren zurückführen — die erwarteten Gewinne und das Vielfache, das der Markt dafür zahlt.

02
Der Zins regiert

Steigende Zinsen drücken Bewertungen, fallende heben sie. Inflation wirkt vor allem über die Zinserwartung. Notenbanken sind die wichtigsten Akteure.

03
Die Überraschung zählt

Märkte preisen Erwartungen ein. Bewegung entsteht aus der Abweichung — der Differenz zwischen Datum und erwartetem Wert.

Weiter — Lektion 07 →
Korrelation & Risk-On / Risk-Off